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KunstgeschichteKunstgeschichte in den besetzten Gebieten

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Kunstgeschichte in den besetzten Gebieten 1933-1945

27.-29.04.2012

Organisation: Magdalena Bushart, Agnieszka Gasior (Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig), Alena Janatkova (Humboldt Universität Berlin)

Lange vernachlässigt nimmt die Beschäftigung mit der Kunstgeschichte im Nationalsozialismus heute einen festen Platz in der Erforschung der Fachgeschichte ein. Sie kann dabei auf hervorragende Materialsammlungen wie die Datenbank „Geschichte der Kunstgeschichte im Nationalsozialismus“ oder das biographische „Handbuch deutschsprachiger Kunsthistoriker im Exil“ zurückgreifen. Auch zur Kunstgeschichte in den besetzten Gebieten liegt eine Reihe grundlegender Untersuchungen vor, wobei das Interesse in erster Linie den Handlungen der Besatzer galt und gilt: den Fotokampagnen des Marburger Instituts, der Übernahme von Lehrstühlen und Ämtern, der Gründung neuer Institutionen, vor allem aber den Aktionen des organisierten Kunstraubs. Weniger Beachtung hat die Situation in den betroffenen Ländern gefunden. Hier sahen sich die Fachvertreter infolge der Besetzung mit reichsdeutschen Kollegen konfrontiert, die den Krieg als Möglichkeit begriffen, ihre eigenen Forschungsperspektiven und -interessen durchzusetzen. Der Verdrängungsdruck führte zu Konflikten – persönlichen Konkurrenzen, fachinternen Kontroversen, kulturpolitischen Machtkämpfen –, deren Folgen von der Marginalisierung „unbequemer“ (im Sinne der deutschen Besatzer) Positionen bis hin zur offenen Repression reichten. Doch nicht alle Diskurse der Zwischenkriegszeit wurden mit der Besetzung unterbrochen; gerade im Bereich regionalgeschichtlicher Studien konnten sie neu ausgerichtet und unter veränderten Vorzeichen fortgeführt werden. Damit boten sich in einigen Ländern auch Möglichkeiten der Kollaboration mit deutschen Stellen und der Profilierung in gemeinsamen Projekten.

Um diese Konfrontation und ihre Folgen in den kunsthistorischen Praxisfeldern (Publizistik, Lehre, Museen, Denkmalpflege) wird es in einer Tagung gehen, die das Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik der Technischen Universität Berlin gemeinsam mit dem Geisteswissenschaftlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig veranstalteten. Dabei soll eine transnationale Perspektive eingenommen werden, die sich auf die besetzten Gebiete im Osten (insbesondere Polen, das Baltikum und die Tschechoslowakei), im Westen (Frankreich, die Niederlande, Belgien) und Norden (Norwegen, Dänemark) ebenso richtet wie auf die Gebiete der Verbündeten (Beispiel Italien). Die Vergleichskriterien entstehen aus dem Spannungsfeld von Kunstgeschichte und ihren jeweiligen kulturpolitischen Rahmenbedingungen während der Kriegsjahre: Welche Prozesse der Umstrukturierung, Neuorientierung, Anpassung oder Auflösung sind zu beobachten? Welche gesetzlichen Vorgaben waren richtungsweisend? Welche Wissenschaftler und fachwissenschaftliche Positionen konnten sich an öffentlichen Kultureinrichtungen etablieren? Welche Handlungsmuster sind dabei zu erkennen? Wie gestalteten sich die Handlungsräume der Kunstgeschichte angesichts kulturpolitischer Vorgaben innerhalb der einzelnen Bereiche? Gab es Nischen, die von Übergriffen unberührt blieben? Wie wurden Inhalte und Methoden der Wissenschaft, beispielsweise der „Kulturbodenforschung“, in der kunsthistorischen Praxis umgesetzt? Wie wirkten Okkupationen und Annexionen auf die reichsdeutsche Kunstgeschichte zurück? Aus dieser Perspektive wäre auch nach der Rolle der „Volksdeutschen Forschungsgemeinschaften“ und der Auslandsinstitute zu fragen.

Programm (PDF)

Freitag, 27.04.2012

Sektion 1: Universitäten/Forschungseinrichtungen

Moderation Hans Aurenhammer (Frankfurt)

14.30 Christian Fuhrmeister (München)
Deutsche Kunstgeschichte und/versus Kulturpropaganda in Italien vor/nach 1943

15.20 Nikola Doll (Berlin)
Die Deutsche Kunsthistorische Forschungsstätte in Paris. Ansätze und Motive zur Institutionalisierung der deutschen Kunstgeschichte in Frankreich (1940 –1944)

16.30 Agnieska Gasior (Leipzig)
Facetten der Institutionalisierung der Kunst geschichte im Generalgouvernement: Positionen deutscher und polnischer Kunsthistoriker

17.20 Sabine Arend (Berlin)
„Besondere Aufgaben der Kunstgeschichte im Warthegau“. Die Kunstgeschichte an der Reichsuniversität Posen. Handlungsspielräume und Tätigkeitsfelder deutscher Kunsthistoriker im besetzten Polen

Samstag, 28.04.2012

Sektion 2: Denkmalpflege/Kunstschutz

Moderation: Beate Störtkuhl (Oldenburg)

9.30 Elena Franchi (Vicenza)
Strategies and Techniques to Protect Artistic Heritage: German Art Historians and the Work of the Kunstschutz in Italy in the Second World War

10.20 Jens Hoppe (Frankfurt a. M.)
Dr. Karl Heinz Esser – Selbstverständnis und Tätigkeit eines beim Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg tätigen Kunsthistorikers im besetzten Baltikum

11.40 Christina Kott (Paris)
Die belgische Denkmalpflege unter deutscher Besatzung: Anpassungs-, Lern- und Abgrenzungsprozesse

12.30 Marieke C. Kuipers (Delft)
Denkmalpflege und Kunstschutz in den Niederlanden, 1939 – 45

Sektion 3: Wissenschaftsstrategien/Kulturverwaltung

Moderation Michaela Marek (Leipzig)

15.00 Inga Lena Ångström Grandien (Stockholm)
Andreas Lindblom’s The Art History of Sweden (Sveriges konsthistoria), 1942 – 44: from what Point of View is it Written and why?

15.50 Giendre Jankeviciute (Vilnius)
Lithunian Art History under Nazi Occupation: Nikolai Vorobiov and his Views on Vilinus Baroque School

16.40 Alena Janatková (Berlin)
Nationalgalerie-Landesgalerie: Der Wandel einer Kunstinstitution im Protektorat Böhmen und Mähren (1939–45)

17.30 Marina Dmitrieva (Leipzig)
Die Tätigkeit des russischen „Archäologischen Kondakov-Instiuts“ in Prag unter dem deutschen Protektorat

Sonntag, 29.04.2012

Sektion 4: Ahnenerbe/Kulturbodenforschung

Moderation Magdalena Bushart (Berlin)

10.00 Jorunn Sem Fure (Oslo)
Organisation Ahnenerbe in Norwegen 1942-1944

10.50 Robert Born (Leipzig)
Zwischen Siebenbürgen und Norwegen. Die Forschungen von Hermann Phleps zur Holzarchitektur und deren politische Instrumentalisierung

12.10 Bohunka Koklesová (Bratislava)
Art history in the period of „Shaky Totalitarism“

13.00 Gábor Pataki (Budapest)
„Kulturbodenforschung“ versus „ungarische Kulturüberlegenheit“. Deutsch-ungarische kulturelle und kunsthistorische Debatten während des Zweiten Weltkriegs

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